13 Okt. '26

Volksschule Sulgenbach Bern (1. Rang)

Kategorie: Wettbewerbe

SULLY - Zukunftsfähige Lernlandschaft mit historisch verankertem Charakter.

 

SULLY 1. Rang (mit Atelier Spolia GmbH, Fritschi Beis Architektur)

 

Fazit Jurybericht

Die vorgeschlagene Lösung überzeugt als wertvoller Beitrag zum zeitgenössischen Schulbau sowie als vielversprechende Umsetzung
der spezifischen Anforderungen einer Regel- und Tagesschule. Dabei werden die Verfassenden mit ihrem Beitrag insbesondere auch den Ansprüchen an den öffentlichen Freiraum und die Anbindung an das Quartier in hohem Masse gerecht.

 

Zukunftsfähige Lernlandschaft mit historisch verankertem Charakter

Das Projekt «SULLY» führt die Schulanlage Sulgenbach in eine lebendige, zeitgemässe Lernlandschaft über. Durch die Ergänzung des Mehrzweckpavillon entsteht ein vielseitiges, harmonisches Ensemble. So wird der historisch bedeutenden Anlage ihr ursprünglicher Wert zurückgegeben und gleichzeitig eine Schule geschaffen, die den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht wird. Mit wenigen, präzisen baulichen Eingriffen werden die Anforderungen an Pädagogik, Nachhaltigkeit, Technik und Betrieb langfristig angepasst. Ein integratives Konzept fördert das Zusammenspiel von Schulraum, Architektur und öffentlicher Parkanlage unter Berücksichtigung historischer Qualitäten.

Städtebau

Die Schulanlage am Sulgebach war entsprechend seiner Entstehungsgeschichte als achsensymmetrische Anlage in einer damals
weitgehend unbebauten Umgebung geplant worden. Dies galt sowohl für das Hauptgebäude wie auch für die rückwärtige Aussenanlage. In
diesem Sinne soll die Projektierung zur Sanierung und Erweiterung der Sulgenbachschule diesen Gedanken sowohl bei der Setzung neuer Gebäudevolumen, wie auch bei der Umgebungsgestaltung wieder aufnehmen.

Freiraum für Schule und Quartier

Der Aussenraum der Volksschule Sulgenbach wird als fliessende, polyvalente «Lernlandschaft» begriffen, die weit über die Funktion eines klassischen Pausenplatzes hinausgeht. Er bildet eine vielfältige Erlebniswelt, die den Schülerinnen und Schülern über den ganzen Tag hinweg Raum für Bewegung, Kreativität und Erholung bietet und ausserhalb der Unterrichtszeiten dem gesamten Quartier als wertvoller Aufenthaltsort zur Verfügung steht.

Vielfältige Erlebniswelten und Verbindungen

Der Entwurf rückt die Bedürfnisse der vier- bis zwölfjährigen Kinder ins Zentrum. Der topografische Höhenversatz zwischen dem urbanen Pausenplatz und der höher gelegenen Rasenfläche wird als Bindeglied verstanden und zu einer grosszügigen Sitztreppe mit Grauerlen in Reminiszenz an den Sulgenbach umgestaltet. Dieses architektonische Element schafft intuitive Zonen zum Klettern, Balancieren und Beobachten, bietet eine hohe Aufenthaltsqualität und gewährleistet gleichzeitig die nötige Übersichtlichkeit für die Pausenaufsicht.

Entsiegelung und ökologisches «Parterre»

Das landschaftsarchitektonische Konzept bricht den Asphaltbelag des Pausenplatzes partiell auf und transformiert ihn in sickerfähige Kies- und Ruderalflächen. In Anlehnung an klassische «Parterres» gesetzt, minimieren sie die Versiegelung und schaffen wertvolle Verdunstungsflächen. Zusammen mit dem Erhalt des prägenden Baumbestands – insbesondere der Linden – wirken sie sommerlicher Überhitzung entgegen. Diese Massnahmen verbessern das Mikroklima und sichern sowohl die geforderte Grünflächenziffer von 0.2 als auch das Ziel von 20 Prozent Biodiversitätsfläche.

Offenheit und adressbildende Erschliessung

Durch den bewussten Verzicht auf Zäune und Hecken entsteht eine fliessende, offene Schnittstelle zum Quartier. Die Reaktivierung des historischen Haupteingangs an der Eigerstrasse stärkt die primäre Adresse des Hauptschulgebäudes. Die Erschliessung ist dabei klar entflochten: Die Fusswege der Kinder werden strikt und sicher von den Fahr- und Parkflächen für Autos getrennt.

Erschliessung und Nutzung

Die Erschliessung der Schulanlage erfolgt weiterhin über die Eigerstrasse und den Mayweg. Für den motorisierten Verkehr und die Anlieferung der Tagesschule bleibt die Pforte westlich vom Hauptgebäude bestehen. Für den Zugang zu Fuss und mit Fahrrädern/Trottinetts soll ein neuer Zugang östlich vom Haupteingang geschaffen werden. Zusammen mit dem Hauptzugang wird so die Symmetrie der Anlage zur Eigerstrasse wieder hergestellt. Der Zugang zum Erweiterungsbau über den Mayweg bleibt bestehen und wird über den Lift in der Turnhalle zudem direkt vom Hauptgebäude aus schwellenlos zugänglich gemacht.