24 Juni '26

Schulareal Zollikofen (1. Rang)

Kategorie: Wettbewerbe

Mikado - Gut proportionierte, vernetzte und vielfältige Aussenräume schaffen Raumqualitäten.

 

Mikado 1. Rang (mit Thomas de Geeter Architektur GmbH)

 

Fazit Jurybericht

Insgesamt zeichnet sich das Projekt «Mikado» vor allem durch das robuste und sehr logisch wirkende Konzept aus. Allgemein gut proportionierte, vernetzte und vielfältige Aussen- und Innenräume überzeugen, schaffen Raumqualitäten und eine angenehme Lernatmosphäre. Einladende, offene Räume fördern die Gemeinschaft, Nischen ermöglichen Rückzugsorte. Das Zusammenspiel zwischen alt und neu trägt zu einem identitätsstiftenden Ensemble inmitten des Quartiers bei. Weiter zu entwickelnde und zu präzisierende Elemente sowie ökonomische und energetische Optimierungen sind aufgrund der konzeptionellen Stärke des Projektes überschaubar.

 

Städtebau

Die Erweiterung des Raumangebots fügt sich sorgfältig in den Bestand ein und schreibt dessen einzigartige Struktur fort. Die zusätzlichen Nutzungen verteilen sich auf zwei kompakte Neubauten. Der Fussabdruck des neuen Schulgebäudes orientiert sich an den bestehenden Schulbauten. Sei-ne Fassaden sind ebenfalls gestaffelt, sind aber weniger fragmentiert als der Bestand, wodurch sich die Innenräume flexibler gestalten lassen und auch grössere Volumen beinhalten können. Die zwei neuen Turnhallen werden in einem weiteren Neubau übereinandergestapelt. Auch dieses Volumen weist eine Verwandtschaft mit den bestehenden Turnhallen auf. Der Längskörper streckt sich bis an die nördliche Parzellengrenze, wo er mit der schmalen Stirnseite an das Wohnquartier anschliesst. Die Abfolge von Schulbauten und gefassten Aussenräumen wird durch die Ergänzungsbauten in einem ähnlichen Rhythmus fortgesetzt. Die bestehenden und neuen Schulbauten rücken in der Mitte des Areals dicht zusammen. Dort entsteht ein neuer Schulhof, an dessen Rändern das überdachte Wegsystem weitergeführt wird. Von dort sind die Eingangshallen aller vier angrenzenden Gebäude erreichbar. Im Osten entsteht ein ruhiger, grüner Aussenbereich, während sich im Westen die Sportflächen befinden. Diese können ausserhalb der Unterrichtszeiten von den Bewohnenden der Nachbarschaft genutzt werden und fördern so eine stärkere Vernetzung mit dem angrenzenden Quartier. Von der Schäfereistrasse her führt ein Weg zwischen den Sportplätzen hindurch auf den zentralen Schulhof.

Freiraumgestaltung

Der Entwurf webt die bestehende, erhaltenswerte Architektur der 1960er-Jahre behutsam in ein neues, atmosphärisch dichtes Freiraumkonzept ein. Die Anlage wird nicht bloss umgestaltet, sondern in ihrem Wesen gestärkt: Das subtile Zusammenspiel von historischen Bauten und fliessenden Aussenräumen bleibt erhalten und wird sanft in die Zukunft geführt. Es entsteht ein harmonischer Campus, der den Geist von Mäder & Brüggemann atmet und gleichzeitig zeitgemässe Antworten auf die Bedürfnisse der Jugendlichen gibt. 

Ankommen und begegnen: Ein offenes Quartierzentrum

Die Schulanlage öffnet sich einladend zum heterogenen Wohnquartier. Zur Schulhausstrasse und dem markanten Kreisel hin wird der bisherige Hartplatz aufgebrochen und mit einer grosszügigen Geste zum Quartier hin geöffnet. So entsteht ein fliessender, lebendiger Quartierplatz, der das Areal ganz natürlich mit der Nachbarschaft verwebt und durch seine hohe Aufenthalts- und Sportqualität zum Verweilen einlädt. Nebst dieser neuen Öffnung entsteht auch von der Schäfereistrasse her eine weiche Durchwegung. Im Inneren fächert sich der Freiraum in unterschiedliche Stimmungen auf, sodass eine unbeschwerte und dennoch klare Trennung zwischen dem geschützten Schulalltag und der Nutzung durch die Öffentlichkeit entsteht.

Der Innenhof: Eine waldartige Oase

Im Herzen des Ensembles bildet der Innenhof einen atmosphärischen Kontrapunkt zu den strengen, linearen Betonbauten. Eine dichte, waldartige Vegetation durchdringt diesen Raum, bricht die harte Geometrie der Architektur auf und sorgt für ein beruhigendes, schattiges Mikroklima. Grosszügige Pflanztröge fassen das Grün ein; ihre Ränder sind als breite, komfortable Sitzbänke ausgebildet. Sie schaffen geborgene, intime Nischen, die den Schülerinnen und Schülern als willkommene Pausenund Lernorte im Freien dienen – ein Ort des Rückzugs und der Inspiration mitten im Schulalltag.

Bewegung und Weite: Terrassierte Freiräume zur Aneignung

Die Grosszügigkeit der Anlage bleibt als prägendes Raumgefühl bestehen. Das weite Rasenspielfeld bildet weiterhin die unbeschwerte, grüne Bühne für sportliche Aktivitäten. Die sanfte Topografie des Geländes wird hier terrassenartig aufgenommen und räumlich inszeniert. Neue, grosszügige Sitztreppen und eine langgezogene Sitzbank säumen das Rasenspielfeld und den Erschliessungsweg. Sie fassen den Raum und dienen als tribünenartige Beobachtungsorte, an denen man das Geschehen entspannt verfolgen, sich treffen oder einfach die Sonne geniessen kann. Die bestehenden Allwetterplätze und die Laufbahn schmiegen sich selbstverständlich in diese terrassierte Landschaft und fügen sich organisch in das Bewegungsnetz ein.

Aufatmen unter Baumkronen: Ein klimaresilienter Campus

Durch gezielte Entsiegelungen weichen Hartflächen der Natur und lassen das Areal aufatmen. Der vertraute Baumbestand spendet Schatten und wird durch neue, grosskronige Bäume ergänzt, deren Blätterdächer im Sommer als grüne Schirme über den Wegen schweben. Bunte Wiesenblumenstreifen, sanft knirschende Kieswege und der idyllische Biotopgarten verwandeln das Areal in eine naturnahe Landschaft, in der das Summen von Insekten den Schulalltag untermalt. Versteckte Strukturen wie Holzhaufen bieten der Tierwelt Rückzugsorte und machen die Natur für die Jugendlichen hautnah erlebbar.